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MTL50, 2.8/35 - Shift, Orangefilter


BC1, 1.4/50, Orangefilter


MTL50 2.4/35, Orangefilter
ADOX Silvermax


MTL50 2.4/35, Orangefilter
ADOX Silvermax


MTL50 2.4/35, Orangefilter
ADOX Silvermax


MTL50, 2.8/35 Shift, Orangefilter
ADOX Silvermax


PSix, 4/50
Kodak TriMAX400
 

PSix, 4/50
Kodak TriMAX400


MTL50, 2.4/35, Orangefilter
ADOX Silvermax


PLC3, 2.8/20
Retropan 320


BC1, 2.4/35, Orangefilter
ADOX Silvermax


PLC3, 2.8/135
Retropan 320


PSix, 2.8/120
Kodak TriMax400


PSix, 2.8/120
Kodak TriMax400



Platzhalter!!!!



1.  Einleitung


Da man irgendwann und irgendwie von der inflationären Bilderflut, verursacht durch die digitale Bildaquise, genervt war, hat man sich doch tatsächlich der klassischen analogen Fotografie besonnen. Maximal 36 Bilder auf einem Film, festgelegte Empfindlichkeit und Gedanken über Blende, Belichtungszeit und resultierende Schärfentiefe machen den Reiz aus - und benötigen nebenher auch noch etliche Gehirnzellen! Nichts mit "draufhalten", auslösen und posten! Das ich mit dieser "neuen" Einstellung ggü der Fotografie nicht alleine da stehe, zeigen steigende Gebrauchtpreise bei Filmkameras und den passenden Objektiven. Natürlich wird die analoge Fotografie, besonders im KB-Format und kleiner, die digitale Fotografie definitiv nicht mehr verdrängen- aber sie wird, ähnlich der Schallplatte, wieder vermehrt Freunde, bzw. Genießer finden. Meine analogen Favoriten sind die Prakticas der "L" und "B"-Serie: die Kameras sind recht günstig, robust und Batterien sind noch erhältlich (auch wenn man manchmal etwas improvisieren muß) und - es gibt auf diversen Handelsplattformen/Flohmärkten eine Unmenge an günstigen und dennoch guten, oder gar sehr guten Objektiven für das M42-Gewinde (das war von den späten 50ern bis Ende der 70er ein internationaler Standard) und das PB-Bajonett der "B"-Reihe, bzw. Adapter auf M42-Gewinde.
Eine Steigerung des Ganzen stellt dann die Pentacon Six und den erhältlichen tollen Objektiven dar: 12, bzw. 24 Bilder je Film mit einem 6cm x 6cm messendem Negativformat. Wenn man diese große Kamera mit nur so wenigen Bildern/Film im Gepäck hat, will jeder Druck auf den Auslöser überlegt sein!




2.  Die Wahl unserer neuen Begleiterin


Grundlegend gilt - anders als bei einer DSLR/DSLM aus aktuellen Tagen: das Kameragehäuse spielt für die letztendliche Bildqualität nur eine untergeordnete Rolle! Wichtiger sind Film (und dessen Entwicklung) und Objektiv! Das Kameragehäuse ist nur das Bindeglied zwischen diesen beiden Komponenten und soll in erster Linie möglichst reproduzierbar diverse Belichtungszeiten zur Verfügung stellen, bei ergonomischer Bedienung.

Beim Erwerb einer (Alter 30+ Jahre!) Praktica ist generell zu beachten:
  • Kontrolle Batteriefach - oft sind Batterien ausgelaufen und haben massiven, irreparablen Schaden hinterlassen
  • Selbstauslöser - oft fehlt der kleine Hebel, oder er ist mechanisch blockiert
  • ist das Prisma klar ( am besten aus ca. 20cm gegen den hellen Himmel durch den Sucher schauen - besonders die Ecken)
  • funktioniert der Verschluss plausibel (besonders die Zeiten länger als 1/30 Sekunde machen gerne Probleme)
  • der Spannhebel sollte sich relativ leicht und gleichmäßig bewegen lassen
  • sind die ermittelten Belichtungswerte passend (am besten eine DSLR mit äquivalentem Objektiv als Vergleich nutzen)
  • das Kamerainnere sollte sauber und nicht verkratzt sein
  • ein altersbedingtes generelles Problem ist die Lichtdichtung welche am Scharnier der hinteren Kamerawand sitzt - jene ist im Laufe der Jahre "weggebröselt" - lässt sich aber mit 1mm starkem, selbstklebendem Moosgummi wunderbar ersetzen
  • eine Pentacon Six sollte generell, falls noch nicht geschehen, zu einer kompletten professionellen Überholung, da das originale Lagerfett der Verschlusssteuerung im Laufe der Jahre verharzt und fest geworden ist und somit die Zeiten nicht mehr stimmen, bzw. die Vorhänge teilweise gar nicht mehr schließen.
Für etwas mehr Überblick über die Modelle der L-Reihe und B-Reihe hier eine kurze Aufschlüsselung - leider hatte Pentacon ein sehr chaotisches System betreffs der Typ- und Serienbezeichnung!

Die L-Reihe mit M42-Objektivanschluss:
  • L / L2 : ohne Belichtungsmesseinrichtung
  • LB / LB2 : mit externem und ungekoppeltem Belichtungsmesser
  • LTL / LTL2 / LTL3 / MTL3 / MTL5 / DTL2 / DTL3 / MTL5B / MTL50: gekoppelter TTL-Belichtungsmesser mit Arbeitsblendenmessung
  • LLC / PLC2 / PLC3 : gekoppelter TTL-Belichtungsmesser mit Offenblendmessung bei entsprechenden Objektiven
  • VLC / VLC2 / VLC3 : wie die LLC-Modelle, aber mit austauschbarem Suchersystem
  • EE2 / EE3 : wie LLC-Modelle, die Belichtungszeiten werden aber elektronisch gesteuert, nur mit Zeitvollautomatik
Die unterschiedlichen Modelle innerhalb einer Typenreihe unterscheiden sich nur in diversen Details, bzw. Weiterentwickungen wie z.B.: verschiedene Anzeigesystem im Sucher für die Belichtung - Zeiger oder Leuchtfelder, unterschiedliche Gehäusebelederung, verschiedene Mattscheibensysteme etc... Desweiteren sind die SuperTL500 und die SuperTL1000-Modelle nur reduzierte (kein Selbstauslöser u./o. keine 1/1000s) Varianten der LTL-Reihe und wurden zumeist mit günstigeren "Kit"-Objektiven ausgeliefert.

Die B-Reihe mit Praktica-Bajonett(PB)-Objektivanschluss und in Kompaktbausweise:
  • B200 / BC1 : elektronische Zeitensteuerung mit Zeitautomatik oder Teilautomatik
  • BX20 : wie B200, aber mit TTL-Sterung für ein angeschlossenes kompatibles Blitzlicht
  • BM / BMS : wie B200 aber ohne Zeitautomatik, bzw. ohne Selbstauslöser
  • B100 / BCA / BCS / BCC : wie B200, aber NUR mit Zeitautomatik, keine manuelle Steuerung möglich
Bei den B-Modellen sind aber eigentlich nur die B200, die BC1 und die BX20 die ausgereiften und komfortablen "B's" - alle anderen Varianten sind reduzierte Varianten: entweder nur Automaik, oder nur Teilautomatik.

Aber welcher der o.g. Modelle ist nun die Empfehlenswerteste!? Nun, einfach ist die Antwort nicht, da hierbei auch persönliche Befindlichkeiten eine große Rolle spielen, aber:
Die Modelle der L und LB-Typen besitzen keinen bzw. nur einen groben externen Belichtungsmesser. Besonders, wenn man keine Erfahrung mit manueller Belichtung hat, sollte man davon die Finger lassen. Erschwerend kommt hinzu, der Belichtungsmesser der LB und LB2 basiert auf einer Selenzelle (keine Batterie nötig!), welche oft alterungsbedingten Verschleiß aufweist und somit prädistiniert ist für Fehlmessungen.
Die Modelle der LTL-Typen ab der LTL3 sind, guten Zustand vorrausgesetzt, gute Arbeitspferde. Die MTL5B bietet dazu noch einen großen Vorteil: sie benötigt nur eine handelsübliche LR44-Batterie! Alle anderen Modelle benötigen etwas Improvisation, sind aber dennoch problemlos zu betreiben!
Mir ist bei vier(!) DTL3-Kameras (und nur bei den DTL3's!) aufgefallen, dass bei jenen sich die Silberbeschichtung im Prisma auflöste.
Die LTL2, die DTL's und die MTL50 haben statt einem Zeiger (zwei oder vier) Leuchtfelder zur Ermittlung der korrekten Belichtungswerte. Das hat bei dunklen Motiven seinen Vorteil, jedoch vermittelt ein Zeiger ein besseres Gefühl beim Einstellen von Blende oder Zeit.
Allerdings muss man feststellen, dass ab dem Modell MTL5B und MTL50 verstärkt Metallteile durch billig wirkendes Plastik ersetzt wurde: Selbstauslöserhebel, Zeitenwahlrad, Spannhebelabdeckung...
Die Modelle der LLC-Reihe bieten den Vorteil, dass man mit offener Blende (also hellstem Sucherbild) nicht nur die Schärfe, sondern auch die Belichtung einstellen kann - Bedingung dafür aber ist, dass man funktionierende "electric"-Objektive einsetzt. Zusätzlich bieten die VLC-Modelle den Luxus, dass man den Sucher und die Mattscheibe wechseln kann: Prisma, Lichtschacht oder Lupe! (mein heimlicher Favorit der L-Reihe)
Die EE-Typen arbeiten vollautomatisch - sprich: man stellt die gewünschte Blende ein und die Kamera kümmert sich um die Belichtungszeit. Erleichternd ist auch bei den EE's, wenn man "electric"-Objektive einsetzt. Wissen muss man aber auch: die EE's funktionieren nicht OHNE (PX21) Batterie! Leider waren besonders die EE's recht fehleranfällig, ob nun die Elektronik oder die Mechanik - mir ist noch keine 100%ig Funktionierende über den Weg gelaufen.
Die B-Modelle sind, da die jüngsten Prakticas, oft ein einem besserem Zustand und zudem deutlich kompakter gebaut. Zu beachten ist allerdings, dass man immer auf eine funktionierende Batterie angewiesen ist. Desweiteren ist das Praktica-Bajonett nicht weit verbreitet, neben Pentacon und Carl Zeiss Jena gab es noch Sigma und Cosina als Hersteller von (Zoom-)Objektiven. Allerdings lässt sich das Problem gut umschiffen: es gibt einen Adapter von PB auf M42 - und somit steht einem die große Welt der M42-Objektive auch für die B-Reihe, wenn auch mit Bedienkomforteinschränkungen, offen! Desweiteren bietet das probitäre Prakticarbajonett den Vorteil - aufgrund der geringen Verbreitung und Adaptionsmöglichkeiten an aktuelle DSLRs sind die Preis für gute Optiken relativ niedrig!

Die Pentacon Six:

Hier wird einem die Wahl einfach gemacht - die Vorgängermodelle der PSix sind heutzutage eher für den Sammler, als für den fotografischen Einsatz  empfehlenswert. Beim Einlassen auf eine PSix sollte man immer im Hinterkopf haben, großes Transportvolumen und höheres Gewicht bei Body und Objektiven und die längere "Normalbrennweite" für das größere Format bedingt mehr Aufwand und Präzision beim fokussieren.
Wie schon angesprochen - die Praktisix und die Pentacon Six besitzen den klassischen, horizontal ablaufenden Tuchverschluss. Das bedingt einige Nachteile ggü. dem Stahlamellenverschluss der L-Reihe. Aber warum nicht auch einen Stahllamellenverschluss? Das Problem ist die konstruktive Umsetzung - schließlich ist das Mittelformat mehr als 2x so hoch und fast 2x so breit wie KB-Format. Und bei einer Umsetzung mit einem Stahllamellenverschluss ala Praktica fehlt schlicht der Platz, um die Lamellen beim Ablaufen des Verschlusses im Gehäuse unterzubringen! Der klassische Tuchverschluss arbeitet wie ein normales Rollo - die beiden Tücher werden einfach auf je zwei Achsen links und rechts der Filmbühne auf- und abgerollt.
Zu beachten bei dem Tuchverschluss der Pentacon Six ist, dass die Blitzsynchronzeit prinzipbedingt nur bei etwa 1/25s und länger liegt. Ein weiterer, zu beachtender Punkt (und prinzipbedingter Nachteil aller Tuchverschlüsse) ist, dass er bei kalten Außentemperaturen bei bestimmten Belichtungszeiten träger wird!
Die andere Verschlussvariante beim Mittelformat ist der Objektiv/Zentralverschluss. Er arbeitet ähnlich der Blende im Objektiv: ringförmig angeordnete, überlappende Stahllamellen im Objektivgehäuse geben den Lichtweg entsprechend der Belichtungszeit frei. Vorteil hierbei ist, dass die zurückzulegenden Wege der Lamellen deutlich kürzer als die des Tuchverschlusses sind und dass alle verfügbaren Belichtungszeiten mit einem Blitzlicht synchronisiert werden können. Nachteil ist, es muss jedes Objektiv mit einem, entsprechend zum Gehäuse kompatiblen Zentralverschluss ausgestattet sein und über mechanische oder elektrische Kontakte mit dem Gehäuse syncronisiert werden..
Bei der Pentacon Six wird einem die Modellwahl leicht gemacht - das einzige Modell wurde von 1966 bis 1990 unverändert produziert.




3.  Die Gehäuse im Detail


3.1.  Die L-Reihe


Die Praktica L-Reihe stellt die dritte Generation der Prakticas vom VEB Pentacon Dresden dar mit dem Aufnahmeformat 36mmx24mm = Kleinbildformat, bzw. 135er Filmformat.
Die ersten Modelle im neuen Design ("Ziegelstein" liebevoll genannt) erschienen 1969: die Praktica L und die Praktica LLC. Während die Prakticas der ersten und zweiten Generation noch mit horizontal laufenden Tuchverschlüssen ausgestattet waren, nutzt die L-Reihe jetzt einen Stahllamellenverschluss, welcher deutlich robuster, schwingungsärmer und temperaturunempfindlicher ist.
Allgemeine Merkmale der modular gebauten L-Reihe sind: vertikal ablaufender Stahllamellenschlitzverschluss nach dem Scherenprinzip. Dabei handelt es sich um eine komplette Eigenentwicklung vom VEB Pentacon. Kürzeste Blitzsynchronzeit ist 1/125s - das war seinerzeit weltweit ein Novum! Gehäusebasis aus Aluminiumdruckguss, der Gehäuseboden und Deckel bestehen aus kupferbeschichtetem und anschliessend verchromten Plastik. Eine Erfindung von Pentacon war das P(entacon)L(oad)-Ladeprinzip. Es ermöglichte den Film innerhalb kürzester Zeit zu wechseln, da das Einfädeln in die Aufwickelspule automatisch erfolgte - grob beschrieben: Patrone einlegen, Filmzunge bis zur Markierung ziehen, Rückwand schließen und Verschluss spannen - fertig.
Als Objektivanschluss kommt, wie schon bei der ersten und zweiten Prakticageneration, das damals international recht verbreitete M42x1-Gewinde mit einem Auflagemaß von 45,46mm zum Einsatz.
Meiner Erfahrung nach arbeitet die Belichtungsmessung (mittenbetonte Integralmessung) der L-Reihe (sofern vorhanden und i.O.), überraschend genau - verglichen mit meiner Canon 5DM3 als Referenz.
In der folgenden Tabelle ist eine kurze Übersicht über die Unterschiede der einzelnen Modelle aufgeführt:

Modell   Ausstattung   Batterietyp
L
keine weitere Austattung
keine
L2
wie L
keine
LB
wie L, aber zusätzlich Nachführbelichtungsmesser mit Selenzelle
keine
LB2
wie LB
keine
LTL
TTL-Belichtungsmesser mit Zeiger, Arbeitsblendenmessung mit CdS-Element, Selbstauslöser
PX625
LTL2
wie LTL, statt Zeigeranzeige zwei Leuchtfelder
PX625
LTL3
wie LTL
PX625
MTL3
wie LTL, aber zusätzliche PC-Blitzbuchse, Mattscheibe mit Messkeil
PX 625
MTL5
wie MTL3
PX 625
MTL5B
wie MTL3,  Mattscheibe mit Triplemesskeil, Wegfall PC-Buchse
LR44 / SR44
MTL50
wie MTL5B, aber mit zwei LED-Leuchtfeldern statt Zeiger
4LR44 / PX28
DTL2
wie LTL3, aber vier LEDs zur Belichtungsanzeige statt Zeiger
PX21
DTL3
wie DTL2, Mattscheibe mit Messkeil, PC-Blitzbuchse
PX21
LLC
wie LTL, Offenblendenmessung mit "electric"-Objektiven
PX21
PLC2
wie LLC
PX21
PLC3
wie LLC, verbesserter Sucher, PC-Blitzbuchse
PX21
VLC
wie LLC, aber austauschbarer Suchereinsatz und Mattscheibe
PX21
VLC2
wie VLC
PX21
VLC3
wie VLC, besser vergüteter Klappspiegel
PX21
EE2
wie LLC, aber mit elektronisch gesteuertem Verschluss, Zeitautomatik
PX21
EE3
wie EE2, verbesserter Sucher
PX21
TL
Sparversion der LTL: keine 1/1000s, kein Selbstauslöser
PX625
super TL2
wie TL
PX625
super TL3
wie TL
PX625
super TL500
wie MTL3, kein Selbstauslöser, keine PC-Blitzbuchse, keine 1/1000s
PX625
super TL1000
wie MTL3, kein Selbstauslöser, keine PC-Blitzbuchse
PX625


3.1.1.  Praktica L, bzw. Praktica L2

Dieses Modell ist die einfachste Variante - keine Belichtungsmessung, kein Selbstauslöser. Dieses Modell wurde meist mit dem Meyer Görlitz Domiplan 2.8/50, oder dem Carl Zeiss JenaTessar 2.8/50 ausgeliefert.
Praktica L mit kleinem Auslöser und CZJ Tessar 2.8/50
Hinweise zum Modell: im Grunde genommen, gibt es bei der L nichts zu beachten. Aufgrund fehlender Belichtungsmessung, gibt es auch nichts, was hierbei zu beachten wäre. Es gelten, die schon erwähnten generellen Hinweise.

3.1.2.  Praktica LB, bzw. Praktica LB2

Im Gegensatz zum einfachen L-Modell, hat die LB(2) einen extern arbeitenden Nachführbelichtungsmesser in der linken Kameraschulter eingebaut. Jener basiert auf einer Selenzelle, d.h. es ist zwar keine Batterie notwendig, jedoch unterliegen die Selenzellen einer Alterung. Es wird allgemein empfohlen, das Messfeld nicht dauerhaftem direktem Lichteinfall auszusetzten, aber dennoch das Messwerk in Abständen zu benutzen, um ein "Festgammeln" des Drehspulinstrumentes zu vermeiden. Aufgrund v.g. Eigenschaften des Belichtungsmessers ist es unbedingt nötig, vor Einsatz die Funktion zu prüfen - z.B. Vergleichsmessungen mit einer DSLR und montiertem Normalobjektiv (KB ca. 50mm, APS-C ca. 35mm)
Der Messwinkel des Belichtungsmessers entspricht etwa dem Bildwinkel eines 50mm-Objektives. Bei Nutzung eines Tele- oder Weitwinkelobjektives ist dies zu beachten und dementsprechend bei Bedarf die Belichtungsparameter motivabhängig zu korrigieren - bei Weitwinkel im Normalfall (mehr Himmel im Bild) ca. 1 Blende weniger und bei Teleobjektivnutzung ca. 1 Blende mehr!
Praktica LB mit Tessar 2,8/50, Belichtungsmesser in linker Gehäuseschulter
Rechenscheibe und Zeigerinstrument der LB
Hinweise zum Modell: Der Belichtungsmesser mit Selenzelle ist hier aufgrund des fortgeschrittenen Alters der modellspezifische Schwachpunkt. Es ist unbedingt notwendig, vor dessen Nutzung einen Abgleich z.B. mit einer aktuellen DSLR und einem passendem Normalobjektiv an einem gut und möglichst gleichmäßig ausgeleuchtetem Motiv zu machen! Daran kann man gut abschätzen, ob der Beli überhaupt noch nutzbare Werte liefert, oder ob man mit einem Korrekturfaktor ausreichend genau hinkommt.
Desweiteren ist es wohl besser, die Selenzelle nicht dauerhaft intensivem Lichteinfall auszusetzen.
Weiterhin gelten die schon erwähnten allgemeinen Hinweise.

3.1.3.  Praktica LTL, bzw. MTL und Folgemodelle

Diese Modelle, basierend auf der ursprünglichen LTL, stellen die Standardgehäuse der L-Reihe dar und umfassen folgende Modelle: LTL, LTL2, LTL3, MTL3, DTL2, DTL3, MTL5, MTL5B und MTL50. Die Ausstattung beinhaltete: TTL-Belichtungsmessung bei Arbeitsblende mit Messtaste. Die TTL(trough the lens)-Messung hat den großen Vorteil ggü. einem externen Belichtungsmesser, dass das Licht des Motives gemessen wird, welches letztendlich auch auf dem Film landet - egal ob Weitwinkel-, Normal-,  Teleobjektiv, oder eventuell montierte Filter - es wird durch das montierte Objektiv gemessen!
Bis auf die Sparmodelle und wenige Sondervarianten war ein Selbstauslöser mit etwa 8s Vorlaufzeit in die Gehäuse integriert. Er bietet zusätzlich bei Nutzung von "B" (bulb) eine automatisierte Belichtungszeit von ca. 3-4 Sekunden.
Unterschiede innerhalb der einzelnen Modellvarianten/Generationen waren verschiedene Auslösergrößen, verschiedene Belederungsarten, modifizierte Spannhebel und überarbeitete Mattscheiben mit verbesserten Scharfstellhilfen (Mikroraster/Meßkeilpaar/Triplemeßkeil).
Die Modelle LTL2, DTL2, DTL3 und MTL50 hatten statt Zeiger zwei, bzw. vier (DTL2 und DTL3) Leuchtfelder zur Anzeige der Belichtungssituation - das ist bei Aufnahmen in dunkler Umgebung vorteilhaft, da dann der klassische Zeiger nur noch schwer bis gar nicht erkennbar ist.
Ab der MTL3 hatten die Kameras, zusätzlich zum aktiven Blitzschuh eine weitere PC-Buchse für den Anschluss eines zweiten Blitzgerätes - Ausnahmen sind die SuperTL-Varianten, die MTL5B und MTL50.
Als Spannungsversorgung kamen Batterien vom Typ PX625, PX21, PX28 und bei der MTL5B LR/SR44 zum Einsatz. Da aber die Belichtungsmesseinrichtung der L-Reihe mit einer WHEATSTONE-Brücke als Referenzwiderstand und somit spannungsunabhängig arbeitet, können die PX625-Zellen und die PX21/28-Zellen (Quecksilberzellen) problemlos durch Alkaline, bzw. Silberzellen ersetzt werden.
Reduzierte Sparvarianten dieser Modellreihe waren die "SuperTL"-Modelle. Jene hatten generell keinen Selbstauslöser und bei der "SuperTL2" und "SuperTL500" wurde zusätzlich die 1/1000s eingespart.
Leider wurde während der Produktion ab der MTL5B und MTL50 immer mehr auf Plastik, statt Metall gesetzt. So sind bei späteren Ausführungen dieser Modelle das Zeitenrad und der Selbstauslöserhebel aus Plastik. Auch die Abdeckung des Spannhebels wurde nun in Plastik ausgeführt.
LTL3 als Variante ohne Selbstauslöser
MTL5 mit dem CZJ Flektogon 2.4/35
DTL3, mit "Noppenbelederung"
Blick in den Sucher der DTL3 - rechts die LED-belichtungsanzeige
MTL50 - frühe Ausführung, noch mit Selbstauslöser und Zeitenrad aus Metall
die verschiedenen Batteriefachtypen
Hinweise zum Modell: wie bei allen älteren Kameras mit Belichtungsmesser, ist auch bei diesen Modellen eine Vergleichsmessung mit einer aktuellen DSLR angeraten. Aufgrund des Messprinzips - CdS-Fotowiderstand und Spannungsversorgung mit WHEATSTONE-Brücke  - ist das System aber ggü. der Selenzelle deutlich robuster. Allerdings ist es nicht selten, dass das CdS-Element durch Undichtigkeiten im Gehäuse altert. Ebenso ist bei einigen Modellen (DTL3!) häufig die Teilversilberung im Prisma im Bereich der Messmaske gealtert und beeinflusst dadurch die Messwerte!
Desweiteren sollte vor ernsthaftem Einsatz der Kamera an einem gleichmäßig und gut beleuchtetem Motiv getestet werden, ob bei, um eine Stufe verkürzter Belichtungszeit oder eine Stufe verringerter ISO/DIN, die Blende um etwa eine Stufe geöffnet werden muss, um den Messwerkzeiger auf die Markierung zu bringen. Man sollte dabei durchaus mehrere Konstellationen durchtesten - das Ergebnis muss in Summe dann immer in etwa identisch sein, ±½ Blende ist aber normal. Eine eventuelle Missmessung deutet dann auf einen defekten Einstellwiderstand im Belichtungszeiten/ISO-Rad hin!

3.1.4.  Praktica LLC, bzw. PLC und Folgemodelle

Im Jahr 1969 führte Pentacon als erster Hersteller weltweit die elektrische Blendwertübertragung mit dem Modell der Praktica LLC ein! Das bedeutet, dass man nun zur Belichtungsmessung nicht mehr manuell per Messtaste auf die Arbeitsblende abblenden muss, sondern der eingestellte Blendenwert wird über elektrische Kontakte zw. Objektiv und Kamera dem Belichtungsmesssystem übertragen und entsprechend eingerechnet. Das setzt allerdings vorraus, dass die Objektive auch den Blendenwert erfassen können. Bei Praktica handelt es sich dabei um die sogenannten "electric"-Versionen bekannter Objektive. Wie schon bei der LTL-Baureihe unterscheiden sich die LLC, PLC2 und PLC3 nur in kleineren Details: geänderte Belederung, verbesserte Mattscheibe mit Doppelmeßkeil, sowie eine zusätzliche PC-Blitzbuchse.
PLC3 mit einem frühen Pentacon electric 1.8/50 MC
Objektiv- und Gehäusekontakte für elektrische Blendenwertübertragung
Hinweise zum Modell: es gelten auch hier die zur MTL/LTL genannten Hinweise, speziell, was die Belichtungsmessung anbelangt.
Zusätzlich gibt es aber weitere beachtenwerte Dinge:
So richtig sinnvoll sind diese *LC-Modelle nur bei Nutzung von "electric"-Objektiven., welche eine elektrische Blendwertübertragung bieten. Das bedingt aber auch, dass die 3 Kontakte am Kameraanschluss und die vom Objektiv sauber sind! Bei Nutzung von "electric"-Objektiven muss der Drehschalter unter der Rückspulkurbel auf den größeren Punkt zeigen.
Außerdem sollte VOR Nutzung der Offenblendmessung getestet werden, ob sich beim Abblenden um je eine Stufe, eine Verdopplung der Belichtungszeit nötig macht, um den Zeiger auf der Marke zu halten! Falls dies nicht der Fall ist, ist vermutlich der Messwiderstand im Objektiv defekt.
Bei Nutzung von klassischen Objektiven (oder defektem Widerstand im "electric-Objektiv") ist der Drehschalter auf den kleineren Punkt zu drehen und am Objektiv ist der Schalter für die Blendenautomatik von "A" auf "M" zustellen! Jetzt wird zu erst bei offener Blende fokussiert und dann erst, bei halb gedrücktem Auslöser, der Blendenring am Objektiv betätigt, bis der Zeiger auf die Markierung zeigt.

3.1.5.  Praktica VLC und Folgemodelle

Diese Modellreihe basiert auf der LLC und deren Nachfolger. Der große Unterschied ist aber die Austauschbarkeit des Suchers inkl. der Mattscheibe! Dies machte es notwendig, die bis dahin im Prismengehäuse integrierte Belichtungsmessung in das Kameragehäuse zu verlegen. Die Lösung war ein teildurchlässiger Klappspiegel mit einem integriertem CdS-Messelement. Der Zeiger des Drehspulinstrumentes wurde direkt unter der Mattscheibenebene im Gehäuse montiert. Es gibt drei Suchereinsätze: Prisma, Faltlichtschacht mit einschwenkbarer Lupe und ein Lupeneinsatz. Desweiteren können davon unabhängig diverse Mattscheibentypen werkzeuglos montiert werden: klassische Mattscheibe aus Glas, Glasmattscheiben mit Gitter- und Rastergravur (für Mikroskopie und Reproduktionen) und eine feinstmattierte Fresnel-Mattscheibe aus Plastik mit den bekannten Scharfstellhilfen. Speziell der letzt genannte Typ bietet in Verbindung mit dem Lichtschacht ein sehr helles Sucherbild! Es ist aber dabei zu beachten, dass zur Belichtungsmessung die Lupe eingeklappt werden muss, um  Fremdlichteinfall auf die Messzelle zu verhindern!
VLC2 mit Faltlichtschacht
Blick in den Faltlichtschacht, Lupe ausgeschwenkt
VLC3 mit Prismeneinsatz
Blick in den Suchereinsatzschacht, links der Belichtungszeiger
Hinweise zum Modell: es gelten alle die bereits zu den vorgenannten Modellen (speziell aber *LC-Modelle) Hinweise!
Ergänzend sei zu den VLC-Modellen nur erwähnt:
Die Austauschbarkeit von Sucher und Mattscheibe bietet durchaus zusätzliches Fehlerpotential.
Beim Aus- UND Einbau des Suchereinsatzes immer den seitlichen Verriegelungsstift gedrückt halten. Bei ausgebautem Suchereinsatz UNBEDINGT das Berühren des Messwerkezeigermoduls vermeiden - es ist ganz schnell verdrückt und der Zeiger klemmt.
Die Mattscheiben - besonders die Fresnellinsen aus Plastik, NIE im Bereich der mattierten Seite berühren, oder gar versuchen zu putzen - immer nur an den Seitenflächen die Scheibe fassen!
Bei dem Wechsel der Scheibe, die eingebaute Scheibe vorsichtig mit einem Fingernagel in Richtung der zwei kleineren Halteklammern drücken, bis man die Scheibe an der einzelnen Halteklammer vorbei nach oben kippen kann. Der Einbau erfolgt dann in umgekehrter Folge: die neue Scheibe schräg unter die zwei kleineren Klammern klemmen, leicht in deren Richtung drücken, bis man, an der größeren Halteklammer vorbei, die Scheibe in den Sucher drücken kann.
Prismensucher mit Fresnelmattscheibe der VLC


3.1.6.  Praktica EE2 und EE3

Die EE2 war die weltweit erste Kamera, welche eine elektronische Blendwertübertragung UND einen elektronisch gesteuerten Verschluss vereinte. Das bedingte aber auch, dass diese Kameras nur mit einer Batterie funktionierten. Sogenannte "mechanische Notzeiten" bei Batterieausfall bieten die EE's nicht!
Die Kameras arbeiten als "Zeitautomaten", d.h. es wird die gewünschte Blende am Objektiv eingestellt und die Kamera passt die Belichtungszeit entsprechend selbstständig stufenlos an. Die ermittelte Belichtungszeit wird im Sucher durch ein Zeigerinstrument angezeigt. Wenn es gewünscht wird, kann die Belichtung in +/- 2 Stufen korrigiert werden. Weiterhin ist aber auch ein herkömmlicher halbautomatischer Betrieb mit manueller Zeitenwahl von 1/30s...1/1000s möglich.
Der Unterschied zw. EE2 und EE3 besteht nur in einer optimierten Vergütung des Klappspiegels, welcher ein helleres Sucherbild bietet.
Ein Novum der EE-Modelle war die integrierte Okukarabdeckung - ein kleiner Hebel über dem Einblickokular des Suchers ermöglicht das Verschließen des Okukars. Aber warum? - Die EE-Modelle bilden die Belichtungszeit vollautomatisch und wenn man während des Auslösevorganges nicht mit dem Auge durch das Okukar schaut, kann durch dieses dann Fremdlicht auf die Messzelle einfallen und dadurch die Belichtungswerte/die Belichtungszeit ungewollt verfälschen - besonders bei Nutzung des Selbstauslösers, oder eines Drahtauslösers ist die Gefahr einer Fehlmessung groß.
Aufgrund der Zeitautomatik musste das Bedienkonzept der Kamera grundlegend geändert werden: Ein zusätzliches Einstellrad unter der Rückspulkurbel bietet die Einstellmöglichkeit für Automatik/manuelle Zeiten. Das Einstellrad rechts vom Prismengehäuse dient einerseits weiterhin der ISO-Einstellúng und andererseits nun der Belichtungskorrektur von +/-2 Stufen.
Auf der Gehäuseunterseite ist nun ein zusätzlicher roter Taster - er dient dem Batterietest: beim Betätigen und einer funktionsfähigen Batterie zeigt der Zeiger im Sucher dies entsprechend an (Zeiger auf 250 etspricht einer vollen Batterie).

EE2 mit Pentacon electric 1.8/50 MC
EE3, neben dem Objektiv der Umschalter für Nicht-electric-Objektive
neue Bedienelemente der EE's, inkl. Okularabdeckung über dem Einblick
Blick in den Sucher einer EE3, rechts die Anzeige für die Belichtungszeit
Allerdings hatte die Mikroelektronikindustrie der DDR 1977, dem Erscheinungsjahr der EE2, noch keine Möglichkeiten, die notwendige Miniaturisierung umzusetzen. So ist das Gehäuse der EE's auf der Frontseite voluminöser als das der anderen Modelle. Die Elektronik ist noch mit  Hilfe diskreter Bauelemente auf starren Leiterplatten und klassischer Verdrahtung umgesetzt. Das macht die EE's sehr fehleranfällig. Es gibt leider nur noch wenige komplett funktionierende Modelle - aber auch, weil insgesamt nur etwa 60.000 Stück EE2 und nur etwa 30.000 Stück EE3 (Vgl.: MTL3 ca. 870.000 Stück!) gefertigt wurden: die Praktica B-Reihe stand bereits in den Startlöchern!


3.2.  Die B-Reihe


1979 wurde auf der Leipziger Messe eine komplett neu entwickelte KB-Praktica vorgestellt - die "B200". Gegenüber der L-Reihe gab es folgende Unterschiede:

  • deutliche kompaktere und "rundere" Gehäuseform, griffigere, weichere Belederung
  • statt dem M42x1-Anschluss setzte man (endlich) auf ein Bajonett zum Anschluss der Objektive. Die Idee das verbreitete Pentax-K-Bajonett zu nutzen, wurde ob der Lizenzgebühren verworfen. Man entwickelte so das Prakticar-Bajonett "PB". Das Auflagemaß beträgt 44,4mm.
  • die Lichtmessung erfolgt nicht mehr im Prisma, sondern durch den halbdurchlässigen Klappspiegel mit dahinterliegender Messzelle (ähnlich der VLC-Modelle)
  • über ein kleines Spiegelsystem wird nun die eingestellte Blende im Sucher angezeigt (außer beim Modell BCC und BCS).
  • die Belichtungszeiten werden nun generell elektronisch (wie die EE's)  und stufenlos gesteuert
  • es wurde ein komplett neuer und kompakterer Verschluss entwickelt, welcher in das kleinere Gehäuse passen musste. Aufgrund von notwendigen Lizenzgebühren, wurde wieder (wie schon beim L-Verschluss) eine Eigenentwicklung eingesetzt. Allerdings verlängerte sich mit dem neuen Verschluss die Synchronzeit von 1/125s auf 1/90s bei den B200, BC1 und BX, bzw. auf 1/60s bei den restlichen Modellen der B-Reihe. Eine weitere Neuerung des Verschlusses ggü. dem L-Verschluss ist, dass er sich nach dem Auslösen wieder in seine Ausgangsposition fährt - eine Bedingung für motorischen Filmtransport durch den optionalen Winder. Desweiteren bietet der Verschluss eine mechanische Notzeit (bei Batterieausfall). Sie entspricht der Blitzsynchronzeit, also 1/90s, bzw. 1/60s.
  • als Spannungsversorgung kam bei allen Modellen einheitlich, eine 6V-Rundbatterie V28PX, bzw. 4LR44, oder alternativ mit Adapterhülle: 4xLR44/SR44 zum Einsatz.
  • der Auslöser wanderte auf die Gehäuseoberseite
  • der Sucher wurde erkennbar verbessert: er bildete nun 95% des Feldes ab, war durch neue Mattscheiben und Umlenkspiegel deutlich heller und hatte zentral ein diagonales Triplemesskeilsystem, welches eine Scharfstellung an senkrechten UND waagerechten Linien erlaubte und eine Defokussierung doppelt versetzt darstellte! Die ermittelten Belichtungszeiten werden nicht mehr durch Zeiger, sondern durch LED's markiert.
  • die Möglichkeit einen Motorwinder am Gehäuseboden zu montieren (s. Verschluss).
  • die B-Reihe hat nun (wieder) eine Auslösersperre unterhalb des Auslöseknopfes.
  • das PL-Schnellladesystem ist leider entfallen
In der folgenden Tabelle ist eine kurze Übersicht über die Unterschiede der einzelnen Modelle aufgeführt:
Modell   Ausstattung   Batterietyp
B200
Zeitautomatik und Halbautomatik, Memorytaste, Abblendtaste, Selbstauslöser
4LR44/PX28
B100
wie B200, keine Halbautomatik, keine Abblendtaste, keine Memorytaste, nur 1/60 Blitzsynchronzeit
4LR44/PX28
BC1
wie B200, mit Blitzbereitschaftskontakt und Anzeige im Sucher, neue Belederung
4LR44/PX28
BCA
wie B100, aber Gehäuse, bzw. Belederung der BC1
4LR44/PX28
BCC
wie BCA, keine Blendeneinspiegelung, kein Selbstauslöser, keine Belichtungskorrektur möglich
4LR44/PX28
BCS
wie BCC, aber mit Selbstauslöser
4LR44/PX28
BMS
wie BC1 aber ohne Zeitautomatik, keine Abblendtaste,  keine PC-Buchse
4LR44/PX28
BM
wie BMS, ohne Selbstauslöser
4LR44/PX28
BX20
wie BC1, aber erstmals mit TTL-Blitzsteuerung (Patent Pentacon 1969!)
4LR44/PX28
BX10DX
wie BX20, keine Teilautomatik, keine TTL-Blitzsteuerung, mit DX-Filmkodierung
4LR44/PX28
BX20s
wie BX20, aber neue Gehäuseform und DX-Filmkodierung
4LR44/PX28
Meiner Erfahrung nach arbeitet die Belichtungsmessung der B-Reihe, im Gegensatz zur L-Reihe, etwas knapp. Vergleiche mit digitalen SLR's (Canon 5DM3) als Vergleich zeigte, dass man die Belichtungskorrektur  der B's wenigstens eine halbe Blende nach oben (oder ISO eine halbe Blende nach unten) einstellen sollte, um besonders bei S/W und Farbnegativfilmen eine gute Schattendurchzeichnung zu erreichen.
Leider wurde im Laufe der Modellreihe (wie schon bei der MTL5B und MTL50) immer mehr gespart - so gibt es z.B. BC1-Modelle mit Metall-, aber auch mit Plastikrückspulkurbeln. Weiteres wurde auch während der BC1-Generation die Belichtungsstufeneinstellung von einer mechanisch arretierbaren Metall-Variante zu einer billig wirkenden und unergonomisch zu bedienenden Plastikraste geändert. Noch deutlicher wurde es denn bei der Generation der BX-Modelle - speziell die BX20s wirkt schließlich wie ein "Plastikbomber"!

Größenvergleich L-Modell und B-Modell

3.2.1.  Praktica B200

Dieses erste Modell der neuen B-Reihe erschien 1979. Sie bietet den Komfort der EE2/3 bei deutlich kompakteren Maßen. Neben einer Zeitautomatik ist die klassische Teilautomatik für induviduelle Belichtungen ebenfalls integriert. Neu hinzugekommen ist, dass nun automatisch ermittelte Belichtungszeiten bis 40 Sekunden möglich sind und durch LEDs statt Zeiger im Sucher angezeigt werden. Eine weitere Neuerung ist die Memorytaste auf der Gehäuseoberseite, welche es erstmals bei einer Praktica möglich machte, Belichtungswerte, z.B. vor einem Umschwenken der Kamera, zu speichern. Bei Batterieausfall lässt sich die B200 rein mechanisch mit einer Verschlusszeit von 1/90s noch weiterhin rein manuell nutzen - im Gegensatz zum Vorgänger EE2, bzw. EE3.
Ebenso wie der Großteil L-Modelle, hat auch die B200 zusätzlich zum Blitzschuh eine PC-Blitzbuchse für ein zweites Blitzgerät.
Ein Kuriosum bei der B200 ist: da 1979 in der DDR die Herstellung flexibler Leiterplatten und deren Bestückung noch nicht in ausreichender Qualität möglich war und es bei frühen B200-Modellen massive Qualitätsprobleme gab, setzte man bei der Elektronik der B200 auf den japanischen Zulieferer NEC!
B200 mit der Exportvariante des Prakticar 2.8/28MC von Pentacon!


3.2.2. Praktica BC1

Das Modell BC1 kam 1984 auf den Markt und ist der direkte Nachfolger der B200. Große Innovationen gab es bei der BC1 ggü. der B200 nicht. Einzig ein zusätzlicher Blitzschuhkontakt zur Übermittlung der Blitzbereitschaft bei der Nutzung kompatibler Computer-Blitze kam hinzu.
1984 war es dann auch der Mikroelektronikindustrie der DDR möglich, die elektronischen Komponenten in gewünschter Qualität zu 100% zu liefern - womit die BC1 nun wieder eine "reinrassige" DDR-Kamera ist.
Auch bei der BC1 - verallendingen bei den Modellen ab 1985 - machen sich die Sparmaßnahmen am Body doch deutlich bemerkbar. Der Spannhebel ist nun immer aus Vollplastik. Waren bei der B200 und den frühen BC1 das Filmemfindlichkeitsstellrad und dessen Arretierung noch aus Metall, so wurde ab 1985 auch hierbei auf Plastik gesetzt. Besonders Unschön: die Arretierung des Rades sind eine kleine Plastiklaschen, die Belichtungskorrekturskala ist nun nur noch auf dem Gehäuse aufgedruckt und auch die Rückspulkurbel ist nun Plastik!
Bei der Belederung setzte man nun wieder auf glatt, statt den markanten Noppen.
Alles in Allem ist die BC1 aber eine ausgereifte, handliche, zuverlässige und praxistaugliche Kamera, welche neben der Zeitvollautomatik aber auch einen voll manuellen Modus für kreatives Arbeiten bietet.
frühe BC1, noch mit ISO-Rad und Arretierung aus Metall
Sucher der BC1, rechts die Zeitenanzeige, unten die Blendeneinspiegelung
Sparmaßnahmen! Wobei hier bei dem 1985er Modell noch eine Metallkurbel verbaut ist!


3.3.  Die Six-Reihe


Im Jahr 1956 wurde die erste DDR-Mittelformatkamera auf der Photokina vorgestellt: die Praktisix. Jene wurde u.a. auch vom Konstrukteur der Praktica-Modelle mit entwickelt: Siegfried Böhm. Ziel war eine Mittelformatkamera mit der Handhabung und Einfachheit einer KB-Formatkamera. Dementsprechend ist auch das Ergebnis - eine Kamera, welche das klassische SLR-Design und -Bedienung aufweist.
Die Praktisix und deren direkter Nachfolger, die Praktisix II (1964) und die Praktisix IIa (1966) wurden noch im Kamerawerk Niedersedlitz (Produktionsstätte der ersten Systemkamera der Welt, der Praktina) produziert. Im Ertscheinungsjahr der Praktisix IIa, erschien dann auch die Pentacon Six vom VEB Pentacon Dresden. Diese stellt eine nicht nur äußerlich direkte Nachfolgerin der Praktisix IIa dar, wobei aber einige problematische Details der Praktisix-Reihe deutlich verbessert wurden.
Objektivlieferanten waren ursprünglich Meyer-Optik Görlitz (Primotar) und Carl Zeiss Jena (Tessar und Biometar) - in späteren Jahren kam noch der damals sowjetische (heute Ukraine) Hersteller Arsenal dazu. Jener produzierte auch die, der Pentacon Six sehr ähnlichen Kameras, Kiev 6C und Kiev 60.
Im Vergleich zum KB-Format (135er Film) ist ein Negativ flächenmäßig mehr als vier mal so groß - das bedeutet, dass das Negativ später viel geringer vergrößert werden muss für gleich große Abzüge und somit auch das Korn des Filmes beim Abzug deutlich weniger in Erscheinung tritt. Selbst ein DIN27, bzw. ISO400-Film, welcher bei KB-Format schon sehr körnig ist, liefert bei dem 6x6-Format nahezu kornlose Abzüge - gleiches Ausgabeformat vorrausgesetzt. Ein weiterer Vorteil, welcher sich durch Nutzung von höher empfindlichen Filmen ergibt ist, dass diese Filme durch ihr größeres Korn auch eine höheren Dynamikumfang aufweisen: es können besser extreme Motivkontraste bewältigt werden. Und zuletzt nimmt einem das quadratische 6x6-Format die lästige Entscheidung, Quer (Landscape-)- oder Hochkant(Portrait-)format ab.
Größenvergleich 6x6-Mittelformat und KB-Format

3.3.1.  Die Praktisix-Modelle

Die Praktisix-Modelle wurden ab 1956 bis 1966 noch im Kamerawerk Niedersedlitz (Dresden) entwickelt und produziert.Das Design ist angelehnt an das klassische SLR-Design. Als Sucher gab es nur den aufklappbaren Lichtschachtsucher mit einer einschwenkbaren Lupe zur präzisen Fokussierung. Im Gegensatz zur Praktica nutzte die Praktisix zur Objektivbefestigung ein Klemmbajonett, dessen Prinzip von der Praktina übernommen wurde.
Da Rollfilm keine Perforation aufweist, ist der Weitertransport des Filmes nach der Aufnahme eine anspruchsvolle Sache. Durch den, mit der Anzahl der getätigten Aufnahmen größer werdenden Aufwickeldurchmesser, ist die, beim Spannen des Aufzuges weitertransportierte Filmlänge nicht konstant. Somit konnte in den Praktisixmodellen nur Rollfilm vom Typ 120 (=12 Bilder) genutzt werden.

3.3.2. Die Pentacon Six TL

Im Jahr 1966 brachte der VEB Pentacon Dresden die Pentacon Six TL auf den Markt. Sie stellt eine äußerlich zwar der PraktisixII identische Kamera dar, wurde aber innerlich teilweise überarbeitet, bzw. verbessert.
So wurde der Bildtransport und das Bildzählwerk verbessert. Es war nun möglich Rollfilm vom Typ 220 (=24 Bilder) zu nutzen - ermöglicht wurde das u.a. durch den Einsatz einer zusätzlichen Messwalze.
Das Bajonett und der Lichtschachtanschluss hingegen wurden 1:1 von der Praktisix übernommen, wodurch es möglich war, vorhande Objektive/Adapter und Lichtschachtsucher weiterhin zu nutzen.
Zusätzlich zum austauschbaren klassischen Schachtsucher war ggü. der Praktisix jetzt ein Pentaprismensucher und ab 1968 auch ein Prismensucher mit integrierter TTL-Belichtungsmessung erhältlich. Außerdem ist die Mattscheibe mit relativ geringem Aufwand austauschbar.
Produziert wurde die Pentacon Six TL dann unverändert bis zur Schließung der Produktionslinie im Jahr 1990! Ab 1984 wurde in der BRD unter dem Namen "Exakta 66" eine, der Pentacon Six konstruktiv identische Mittelformatkamera von der Exakta GmbH Nürnberg produziert. Einzig die Gehäusegummierung unterschied die beiden Modelle. Da die Exakta 66 das gleiche Bajonett verwendet wie die Pentacon Six, können die bekannten Objektive problemlos genutzt werden. Mit der Exakta 66 gab es dann auch einen weiteren Objektivzuliefer: Schneider Kreuznach. Allerdings erfuhr die Exakta 66 im laufe der Zeit, im Gegensatz zur Pentacon Six, eine Modernisierung - so wurde das Bajonett dahingehend geändert, dass nun die eingestellte Blende bei entsprechend ebenfalls neu entwickelten Objektiven von Schneider, automatisch an die TTL-Belichtungsmesseinrichtung übertragen wurde. Die Folge: die neuen Schneider-Objektive passen NICHT auf das herkömmliche PSix-Bajonett!
Die Pentacon Six bietet gegenüber den "westlichen" Mittelformatkameras - ob nun Hasselblad, Mamiya, Rollei, Zenza Bronica, etc. einen großen Vorteil: es sind recht preisgünstig qualitativ sehr hochwertige UND mit großer Anfangsblende ausgestattete Objektive erhältlich. Objektive wie das CZJ Biometar 2.8/120 oder gar das CZJ Sonnar 2.8/180 sucht man bei Zenza Bronica, oder Mamiya z.B. vergeblich! Ein Objektiv für eine Hasselblad oder Rollei ähnlicher Eckdaten ist finanziell eine ganz andere Dimension!
Die Pentacon Six TL mit dem Normalobjektiv CZJ Biometar 2.8/80
Hinweise zum Modell: wie bereits erwähnt, hat der Tuchverschluss prinzipbedingt besonders bei niedrigen Umgebungstemperaturen Probleme mit der Einhaltung der korrekten, eingestellten (kurzen) Belichtungszeiten! Pentacon selbst empfiehlt folgendes:
Ab etwa 5°C und kälter sollte man bei der Pentacon Six folgendes einrechnen: 1/1000s, 1/500s und 1/250s  wirken wie 1/500s, 1/250s und 1/125s. Die einstellbaren 1/125s sollte man bei geringen Umgebungstemperaturen generell meiden, da das Kamerahemmwerk in diesem Zeitenbereich die geringste Federkraft aufweist und durch härter werdende Schmiermittel/Verschlusstücher dann sogar der Verschluss einfach stehen bleiben kann. Die Zeiten ab 1/60s und länger wiederrum sind von der thermisch bedingten Einschränkung fast nicht betroffen - können also ohne Umrechnung genutzt werden!
Desweiteren gilt bei niedrigen Temperaturen - wie ja auch für aktuelle DSLRs und DSLMs - die Kamera möglichst in Körpernähe/unter der Bekleidung transportieren und nur für die Aufnahmen ungeschützt der Kälte aussetzen!.
Ein weiteres Problem ist, ebenfalls bedingt durch den Tuchverschluss, verharzendes, bzw. alterndes Fett der Achslagerung und des mechanischen Hemmwerkes. Dies äußert sich in generell fehlerhaften (zu langen) Belichtungszeiten, ungleichmäßigem Lauf des zweiten Vorhanges (vertikaler Bandlingeffekt besonders bei den 1/1000s), oder dass gar der zweite Verschlussvorhang gar nicht mehr schließt - besonders die 1/125s sind dabei wiederrum sehr empfindlich!
Allerdings gibt es auch heutzutage noch gute Werkstätten, welche einer Praktisix / Pentacon Six wieder zu tadeloser Funktion verhelfen - siehe "hilfreiche Links"!
Ein konstruktives Problem, welches generell die Praktisix, aber auch die Pentacon Six TL aufweist, ist  - aufgrund der beim Mittelformat fehlenden Perforation, der problematische Filmtransport. Bei unsachgemäßer Bedienung und/oder verschlissener Mechanik kommt es schnell zu Überlappungen zw. benachbarten Negativen.
So ist es extrem wichtig, die von Pentacon vorgeschriebene Prozedur beim Filmeinlegen zu beachten. Ebenso ist es nicht minder wichtig, nach dem Spannen des Auslösers, die Kurbel nicht zurück schnippen zu lassen, sondern kontrolliert zurück zu führen - im Gegensatz zur Kleinbild-Praktica! Das Beachten dieser beiden Punkte verhindert einen großen Teil von Filmtransportfehlern, ist aber leider kein Garant, dass es immer zu 100% funktioniert!






4.  Die Objektive


Die eigentlich wichtigste Komponente der Fotografie. Das Objektiv, bzw. dessen Einstellungen sind entscheidend für das enstehende Bild: Bildwinkel, Schärfe, Kontrast und Unschärfeverlauf, bzw. dessen Erscheinung (Bokeh) werden ausschließlich davon bestimmt.
1948 wurde mit Erscheinen der ersten Praktica das bis dahin "Standardgewinde" der Fotografie M39 durch das größere M42(x1)-Gewinde ersetzt. Dieser Gewinn an Platz innerhalb des Objektivanschlusses vereinfachte den Einsatz von Objektiven mit automatischer Blendensteuerung und ermöglichte die Konstruktion besserer vignettierungarmer lichtstarker Objektive, da nun die Hinterlinse einen deutlich größeren Durchmesser aufweisen konnte.
1979 wurde mit der B-Reihe bei Praktica das M42-Gewinde durch das Praktica-Bajonett (PB) ersetzt - jenes weist einen nochmal größeren Durchmesser auf, wodurch per entsprechendem Adapter alle M42-Objektive auch an einer Praktica der B-Reihe (mit kleiner Einschränkung) genutzt werden können!
Während die mechanische und besonders die Materialqualität der Prakticagehäuse im Laufe der Jahre - insbesondere ab den 80ern - nachließ, waren die Objektive, bis auf Ausnahmen, immer auf extrem hohem Niveau - auch im internationalen Vergleich! Insbesondere die (echten) CZJ-Objektive waren und sind legendär!
Es gab in der DDR für die Praktica, bzw. die Pentacon Six, drei Objektivproduzenten: Carl Zeiss Jena, Pentacon Dresden und Meyer Optik Görlitz. Wobei Optik Meyer 1968 dem VEB Pentacon Dresden zugegliedert wurde.
Allgemein lies sich sagen, die CZJ-Objektive waren die Oberklasseobjektive, Pentacon bot die Standardqualität und Meyer Optik die eher preiswerteren Objektive.
Leider wurde der Name "Carl Zeiss Jena" in den 80ern für die Exportvarianten der Prakticar-Objektive (für die B-Reihe) gern missbraucht! So wurden auch Pentacon-Objektive (aus Dresden oder Görlitz) als "Carl Zeiss Jena" gelabelt.

4.1.  Weitwinkelobjektive

Als Weitwinkelobjetive werden alle Objektive bezeichnet, welche eine kürzere Brennweite als die Diagonale des Filmformats aufweisen. Sie erfassen einen größeren Bildwinkel als das menschliche Auge bewusst erfassen kann.
Bei dem Kleinbildformat sind das Brennweiten kleiner 40mm und bei dem 6x6-Format Brennweiten kleiner 75mm.
Das erste produzierte (weltweit! - Vorserie bereits 1950) Weitwinkelobjektiv für Spiegelreflexkameras war das Flektogon von Carl Zeiss Jena. Das Neuartige am Flektogon war: der Abstand Objektiv/Film (=Schnittweite) war größer als die effektive Brennweite des Objektivs! Erreicht wurde das durch die sogenannte Retrofokuskonstruktion. Ganz einfach beschrieben - vor ein (Normal-) Objektiv mit etwa 45mm Brennweite wird eine Zerstreuungslinse (mit negativer Brennweite) montiert.
Bei der Nutzung von Weitwinkelobjektiven ist zu beachten, sie überbetonen die Tiefenwirkung des fotografierten Motives: nahe Dinge werden übertrieben groß dargestellt, wohingegen Weiterentfernte sehr klein wirken. Besonders bei Portraitaufnahmen ist das zu beachten - schnell wirken kameranähere Körperteile überproportional groß und lassen das Bild im schlimmsten Fall zu einer Karrikatur verkommen!
Dieser Effekt macht sich auch bei Architektur/Städtefotografie bemerkbar - eine, auch nur leicht nach oben gerichtete Kamera bildet dann übertrieben stürzende Linien ab: nach oben strebende Dinge scheinen alle in sich "zusammen zu kippen".
Allgemein wird das Weitwinkelobjektiv mit der Landschaftsfotografie in Verbindung gebracht - leider mit oft unschönen Ergebnissen! Besonders das KB-Format bietet physikal begründet nicht die Möglichkeiten feinste Details aufzulösen - man hält letztendlich oft Landschaftsbilder in den Händen, welche zwar "alles" zeigen, aber den Vororteindruck in keinster Weise gerecht werden! Deshalb ist es besonders bei der Landschaftsfotografie mit Weitwinkelobjektiven enorm wichtig, sich über die bildliche Vordergrundgestaltung Gedanken zu machen: regional typische Motive (Flora/Fauna, Gebäude etc.), oder für den Aufnahmezeitpunkt wichtige Vordergrundmotive (Wandergruppenmitglieder, oder auch ein eigenes Gepäckstück!)

4.1.1.  M42 - Pentacon 2.8/29 M42

Hier abgebildet als "electric"-Version für die LLC/PLC/VLC/EE-Gehäuse mit elektrisch übertragenem Blendenwert.
Das Objektiv ist ein relativ leichtes und kompaktes Weitwinkelobjektiv. Während es mechanisch typisch robust ist, ist die Abbildungsqualität eher unterer Durchschnitt. Bei Offenblende auch im Bildzentrum sehr weich, steigert es die Abbildungsqualität beim Abblenden nur wenig. Erst ab Blende 8 ist es dann ziemlich brauchbar.

4.1.2.  M42 - CZJ Flektogon 2.4/35

Das Objektiv ist eine Weiterentwicklung der Ursprungsversion 2.8/35 von 1950.
Die Bildqualität ist bereits bei Offenblende im Bildzentrum als "sehr gut" und zum Rand hin als "gut" zu bezeichnen! Mit abblenden auf Blende 4 erreicht man bereits nahezu maximale Abbildungqualität - das Zentrum ist "ausgezeichnet" und zum Rand hin immer noch "sehr gut"!
Die weitere Besonderheit ist, dass es nahezu verzeichnungsfrei abbildet, d.h. gerade Linien an den Rändern bleiben auch gerade Linien!
Allerdings hat dieses Objektiv selbst heute noch seinen Preis - für gute Exemplare werden Preise im Bereich von 200€ aufgerufen!

4.1.3. M42 - CZJ Flektogon 2.8/20

Hier abgebildet als "electric"-Version für die LLC/PLC/VLC/EE-Gehäuse mit elektrisch übertragenem Blendenwert.
Zum Erscheinungszeitpunkt der Vorgängerversion 4/20, war dieses das weltweit erste Superweitwinkelobjektiv für Spiegelreflexkameras mit 93° Bildwinkel!
Die Bildqualität ist bei Offenblende im Bildzentrum als "gut" und zum Rand hin als "mittel bis mäßig" zu bezeichnen. Mit abblenden auf Blende 5.6 erreicht man dann nahezu maximale Abbildungqualität - das Zentrum ist "sehr gut" und zum Rand hin immer noch "gut"!
Die weitere Besonderheit ist, dass es nahezu verzeichnungsfrei abbildet, d.h. gerade Linien an den Rändern bleiben auch gerade Linien!
Auch diese Legende hat heute noch ihren Preis - für gute Exemplare werden Preise im Bereich von 300€ aufgerufen!

4.1.4. M42 - Arsat MIR-67 2.8/35 Shift

Diese Objektiv des ukrainischen Herstellers Arsat ist ein Spezialobjektiv. Der Objektivkörper ist parallel zur Filmebene in gewissem Umfang verschiebbar und um 360° drehbar gelagert. Ein weiterer und durch vorgenannte Eigenschaften unabdingbarer Unterschied ist, dass das Objektiv eine deutlich größere Fläche als das Kleinbildformat ausleuchtet!
Wofür? - Wie schon beim Thema Weitwinkelobjektiv angesprochen, zeigt, besonders bei der Architekturfotografie, eine nur leicht nach oben geneigte Aufnahmerichtung bereits übertrieben stürzende Linien. Das Problem umgeht man mit einem Shift-Objektiv - die Kamera wird nun genau waagerecht gehalten (keine stürzenden Linien!) und nur das Objektiv wird nun vertikal verschoben (in den mechanisch gegeben Grenzen natürlich nur), bis das Motiv komplett abgebildet wird!

Links das Objektiv an einer Praktica montiert und in der Vertikalen ca. 10mm geshiftet abgebildet.
Der resultierende Shifteffekt ist abhängig vom Abbildungsmaßstab.


4.1.5.  PB - Pentacon 2.8/28

Dieses Objektiv stellt eine Weiterentwicklung des schon erwähnten  2.8/29 mit M42-Anschluss dar. Die Brennweite wurde etwas verkürzt, die optische Abbildungsqualität konnte erkennbar gesteigert werden. Aber dennoch kommt es abbildungstechnisch an die Qualität der CZJ-Flektogone!
Ein weiteres Problem dieses Objektives - dem Zeitgeist und dem Sparwahn folgend, besteht bei späteren Modellen das äussere Gehäuse komplett aus Plastik - selbst die Griffriffelung des Fokusringes ist lediglich formgepresstes Plastik! Einzig der Bajonettanschluss besteht noch aus Metall.
Interessant ist, dass die auf dem Binnenmarkt verkauften Modelle als "Pentacon Prakticar", aber die Exportvarianten als "Carl Zeiss Jena P" gelabelt waren.
Links abgebildet ist eine Exportvariante aus GB - als CZJ gelabelt, im Plastik-Mantel.

Das gleiche Objektiv, aber hier als "Ostblock"-Variante abgebildet - gelabelt als: Pentacon Prakticar 2.8/28MC. Ausserdem: dieses abgebildete Objektiv ist noch eine frühe Variante, komplett aus Metall bestehend, mit gummiertem Fokusring.

4.1.6.  PSix - CZJ Flektogon 4/50

Was bei dem KB-Filmformat das 28mm-Weitwinkelobjektiv ist, ist bei dem 6x6-Format der Pentacon Six in etwa das 50mm-Objektiv.
Die älteren Varianten des Objektives (Zebra-Objektive) waren aufgrund der fehlenden Multivergütung auf den Linsen noch sehr streulichtempfindlich und besonders im Gegenlicht erkennbar kontrastärmer als die spätere (hier abgebildete) MC-Version.
Eine Schwäche des Objektives ist der "Sonnenbrand" im vorderen Tubusteil hinter der Frontlinse: bei intensiver und längerer Lichteinstrahlung neigt die Antireflexbeschichtung zur Bildung von hellgrauen kleinen Flecken - jene haben zwar keinen Einfluss auf die Abbildungsqualität, aber der äußerliche Anblick leidet doch entscheidend: klick

Links der Größenvergleich zwischen dem PSix CZJ 4/50 und dem Pentacon Prakticar 2.8/28.
Neben dem deutlich größerem Volumen ist auch das Gewicht und, bei Filternutzung, das sehr große Filtergewinde auf jeden Fall bedenkenswert.
Das Filtergewinde hat zwar ein Maß von M86x1, aber Filter dieser Größe vignettieren bereits leicht. Empfehlenswerter ist somit die Nutzung von Filtern mit M95x1 bei Nutzung eines Adapterringes von M86x1 auf M95x1 (das wurde übrigens von Pentacon auch empfohlen)!


4.2. Normalobjektive

Als Normalobjektive werden Objektive bezeichnet, deren Brennweite in etwa der Diagonalen des genutzten Filmformats entspricht. Das bedeutet, bei dem Kleinbildformat sind das etwa 45mm...55mm und bei dem Mittelformat der PSix sind das etwa 75mm...80mm.
Normalobjektiv - was verbirgt sich dahinter: diese v.g. Brennweiten bilden auf dem Negativ in etwa einen Bildwinkel ab, den wir als Mensch bewusst mit dem bloßem Auge in etwa erfassen können. Das heißt, diese Brennweiten entsprechen in etwa unseren Sehgewohnheiten - Bilder, aufgenommen mit einem Normalobjektiv wirken auf uns, was die Perspektive anbelangt, nicht überbetont oder übertrieben.
Allerdings ist das auch oft ein Problem der Normalobjektive - Bilder wirken oft langweilig, bzw. unspektakulär - besonders wenn jene auch noch aus Augenhöhe aufgenommen wurden. Ein Normalobjektiv verlangt (wenn es nicht dokumentarischen Zwecken dient) aufmerksame Motivwahl, Aufnahmeposition/-richtung und Schärfe-Positionierung!

4.2.1.  M42 - Pentacon 1.8/50 MC

Dieses Objektiv war das "Kit"-Objektiv der DDR-Ära schlechthin. Als eine Pentacon-Weiterentwicklung des Optik-Meyer Oreston 1.8/50 bietet es eine befriedigende Abbildungsqualität bei Offenblende - welche sich im Bildzentrum beim Abblenden auf f/5.6 Richtung sehr gut verbessert. Die Bildränder selber bleiben aber eher schwach.
Eine Besonderheit des Objektives ist seine extreme Naheinstellgrenze von nur 33cm - dies bietet zusätzliche kreative Anwendungsmöglichkeiten dieses "Kit"-Objektives.
Mechanisch ist das Objektiv, typisch für die 70er, eher robust und komplett aus Metall aufgebaut.
Allerdings macht sich auch bei diesem Objektiv das Alter gern bemerkbar - die Blenden neigen mit den Jahr(zehnt)en zum verölen und bedürfen dann einer Reinigung.




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