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Die Wahl der Optik, durch welche man fotgrafieren möchte, muss wohl überlegt sein, und endet zu 90% dann doch in Kompromissen.
Einerseits wünscht man kurze Belichtungszeiten, d.h., die Blende/Öffnungsverhältnis des Teleskopes soll möglichst gross sein (also kleine Zahl). Da sich dieser Wert aus Brennweite/Öffnung ergibt, ergibt sich ein Problem:
wenn man kurze Brennweiten für ausgedehnte Objekte benötigt, ist die Lösung kein Problem, z.B. Fotoobjektive oder Newtonspiegel bieten diese.
Wenn aber Brennweite gefordert ist, weil man Jagd auf planetarische Nebel oder kleine Galaxien macht, ist die gewünschte Öffnung meist nicht mehr finanzierbar oder transportierbar. Das Ergebnis ist dann ein Kompromiss aus Brennweite und Öffnung der Optik.
z.B. eine Brennweite von 200mm bei f/4 ergibt eine Öffnung von 5cm - kein Problem und garantiert kurze Belichtungszeiten. Wenn nun aber 2000mm Brennweite nötig sind, ergibt das eine Öffnung von 50cm! Das ist eine Grösse, welche nur noch stationär auf einer sehr massiven und teuren Montierung genutzt werden kann.

Ganz anders sieht es aus, wenn man relativ helle, aber sehr kleine Objekte (Planeten, Details der Sonnen- und Mondoberfläche) abbilden möchte. Hier kommen dann noch verschiedene, die Brennweite verlängernden, Projektionsmethoden zum Einsatz.


Es wird einerseits in Refraktoren (Linsenteleskope) und Reflektoren (Spiegelteleskope) unterschieden - wobei die Reflektoren noch in weitere Untergruppen unterteilt werden bzw. zusätzlich zu Spiegeln noch korrigierende Linsengruppen enthalten.
Refraktor ähnlich einem normalen Fotoobjektiv. Solange es um kleinere Brennweiten geht, sind jene eine kompakte, meist stabile und robuste Lösung. Wichtig ist die Farbkorrektur und die Bildebenenkrümmung. Bei Ersterem hilft nur ein gutes (Apo o. ED)Objektiv, bei Zweiterem ein sogenannter Flattener, welcher möglichst für das Teleskop gerechnet sein sollte und zw. Kamera und Teleskop montiert wird.
Aufgrund der einfachen Handhabung, Justagestabilität und meist recht kurzen Brennweiten, eignen sich Refraktoren besonders für Einsteiger und die mobile Astrofotografie.
Newtonreflektor bietet bei grosser möglicher Öffnung kurze Brennweiten -> hohe Blendenwerte -> kurze Belichtungszeiten. Es sind Blendenwerte bis f/4 möglich. Nötig wird allerdings, wie beim Refraktor ein korrigierendes Linsensystem: der sogenannte Komakorrektor, welcher vor der Kamera montiert wird. Vorteilhaft ist auch der Preis dieser System, da deren Herstellung, aufgrund des Fehlens komplizierter optischer und mechanischer Komponenten, relativ preiswert ist.
Nachteilig bei diesem Typ ist besonders die seitliche Kameramontage, welche sich ungünstig auf den Schwerpunkt und auf die Steifheit des Tubus' auswirkt. In Sachen Stabilität hilft nur ein stabiler und deshalb teuerer Tubus (z.b. GFK). Auch hat man oft Probleme mit knapper Fokuslage, welches zusätzliche Zubehör VOR der Kamera unmöglich macht - wie Filterräder und/oder OffAxisGuider.
Desweiteren ist auch eine regelmässige Justage, bzw. Kontrolle der Selbigen, der beiden Spiegel nach "gröberen" Transporten nötig.
Cassegrainreflektor in seiner "reinen" (mit paraboliden Spiegeln) Form selten in der Fotografie vertreten - häufiger in seinen modifizierten Varianten: Schmidtcass., Maksutovcass., Klevsovcass. (sphärische Spiegel + ManginKorrektor vor dem Fangspiegel) und dem Vixen VC200L (asphärische Spiegel mit Linsen-Korrektursystem im Okularauszug).
Dieser Typ bietet bei relativ grosser Öffnung sehr kompakte Ausmasze und eine sehr grosszügige Fokuslage für alles erdenkliche Zubehör.
Nachteilig ist besonders das meist niedrige Öffnungsverhältnis von f/10 um die ausseraxiale Koma in Grenzen zu halten. Jenes kann zwar erhöht werden mit verschiedenen Reducern vor der Kamera, was aber immer zu Lasten der Ausleuchtung des Bildsensors einhergeht.
Desweiteren kämpfen die Standard-Schmidt und Maksutovcassegrains oft mit dem sogenannten Spiegelshifting, da zur Fokussierung der Hauptspiegel auf dem Blendrohr verschoben wird.
Ritchey Chrétien-Rflektor ist dem Cassegrainsystem sehr ähnlich, nur dass bei diesem Typ der Haupt und Fangspiegel hyperbolid sind. Das eliminiert die störende Koma, wodurch kürzere Öffnungsverhältnisse realisierbar sind. Einziger fotografisch relevanter Bildfehler ist nur die Bildfeldwölbung . Selbige lässt sich mit entsprechenden Korrekturen sehr gut beseitigen.
Aufgrund der aufwendigen Spiegelherstellung und deren komplizierte optische Prüfung, sowie die hohen mechanischen Anforderungungen an die Tubus/Justagestabilität ist dieser Teleskoptyp entsprechend kostenintensiv. Der Vorteil dieses System liegt in seiner Eigenschaft, ohne Linsen auszukommen, wodurch auch die Fotografie im IR-Bereich des Lichtes möglich wird, bzw. keine UV/IR-Sperrfilter vor den Kameras eingesetzt werden müssen.
Schmidtkamera ein rein fotografisches System, welches einen sphärischen Hauptspiegel und in der Teleskopöffnung eine korrigierende Schmidtplatte besitzt. Das Prinzip ist identisch dem Schmidtcassegrain, nur sich das in diesem Fall statt dem Sekundärspiegel der Film sich dessen Stelle im Strahlengang IM Teleskoptubus befindet (ein einzelnes Filmstück muss über eine seitliche Öffnung eingelegt werden!).
Da dieses Sytem zwar komafrei ist, aber eine extreme Bildfeldwölbung aufweist, muss der Film entsprechend dem Krümmungsradius gebogen werden. Dies geschieht mit einer speziellen Filmhalterung.
Das Öffnungsverhältnis dieses Teleskoptypes liegt bei f/1,9 - f/2,1 - also sehr kurze Brennweiten im Vergleich zum Optikdurchmesser -> extrem kurze Belichtungszeiten!
Um dieses System auch für CCD-Chips nutzbar zu machen, wurde die sogenannte Hyperstaroptik entwickelt, welche das Bildfeld ebnet und den Fokus aussen vor die Schmidtplatte legt. Die Schmidtcassegrainteleskope der Firma Celestron sind durch diese Hyperstaroptik vom visuellen Teleskop mit f/10 auf eine lichtstarke Schmidtkamera mit ca. f/2 umrüstbar - der Sekundärspiegel wird demontiert und seiner Stelle - in der Mitte der Schmidtplatte - die Korrekturoptik mit Kamera montiert.


Um ein Bild auf den Kamerachip/film zu projezieren, gibt es verschiedene Arten der Projektion - abhängig vom Kameratyp, dem Teleskop und dem Zielobjekt:
fokal klassische Art und Weise der Kameramontage: Die Kamera wird ohne eigenes Objektiv direkt im Fokus des Teleskopes ohne Zusatzoptiken montiert (Flattener/Komakorrektoren ausgenommen)
Telekonverter / Barlow identisch mit der fokalen Variante, nur dass in diesem Fall zur Brennweitenverlängerung eine Barlowlinse bzw. ein Telekonverter zwischen Teleskop und Kamera montiert wird. Die Brennweite verlängert sich um den Faktor der Barlowlinse/des Telekonverters. 
Okularprojektion bei dieser Variante wird zwischen Teleskop und objektivlose Kamera ein sogenanntes Projektionsokular montiert (es kann sich dabei um ein ganz normales Okular handeln). Mit diesem System sind sehr grosse Brennweiten zu erreichen, welche durch variable Abstände Okular->Kamera und verschiedene Okularbrennweiten in weiten Bereichen ändern lassen. Allerdings verschlechtert sich das Öffnungsverhältnis entsprechend und dementsprechende Belichtungszeiten sind einzuplanen! Desweiteren verschlechtert sich bei einfachen Okularen die Randabbildung deutlich.
Genutzt wird die Okularprojektion in erster Linie zur grossformatigen Abbildung von Sonnendetails, Monddetails und hellen Planeten.
afokale Projektion wird angewandt, wenn das Objektiv der Kamera nicht abnehmbar ist (Kompaktkameras und Bridgekameras). In diesem Fall wird ebenfalls ein Projektionsokular montiert, an welchem dann das Kameraobjektiv montiert wird. Die hierbei resultierende Brennweite des System hängt von der Okular und Kameraobjektivbrennweite und dem Abstand zw. Selbigem ab.
Aufgrund der Zahl der zusätzlichen optischen Elemente im Strahlengang und des langen mechanischen Aufbaus ist diese Projektionsart die qualitativ ungünstigste.
Diverse Handler bieten Okularadapter an, durch welche die Kameras relativ sicher und stabil montiert werden können.