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Hinweis: niemals die Sonne ohne sichere Filter beobachten - egal ob mit blossem Auge oder gar durch ein Teleskop / Fernglas!

Filtersystem Beschreibung
Sonnenprojektion
(Weisslicht)
- dabei handelt es sich um die, für das Auge, sicherste Beobachtungsmethode.
Es wird, im Abstand von ca. 30cm eine weisse Projektionsfläche hinterm dem Okular installiert, auf welchem dann das Sonnenabbild, welches das Teleskop ungefiltert passiert, projeziert wird. Die Schärfe wird ganz normal über den Okularauszug korrigiert.
Um den Kontrast zu verbessern, empfiehlt es sich, in Okularauszugnähe auf dem Tubus eine grössere Pappe zu installieren, welche als Schattenspender dient.
Wichtig ist, dass diese Art der Sonnenbeobachtung nur mit einem Refraktor und nur dem Einsatz dafür geeigneter (nicht gekitteter) Okulare (Hygenstyp!) möglich ist.
Die Sonnenprojektion ist prädistiniert für Beobachtung durch mehrerer Beobachter und/oder das zeichnerische Festhalten von Sonnenflecken und Fackelgebieten - einfach ein Blatt Papier auf den Projektionsschirm kleben und die Fleckengebiete abmalen.
Frontfilter
(Weisslicht)
- es wird vor dem kompletten Objektiv / Lichteintrittsöffung ein sicherer Sonnenfilter für visuelle Beobachtung installiert.
Es kann sich dabei um Glas- oder sogenannte Folienfilter handeln. Wichtig ist, dass deren Filterwirkung ca. 1:100000 (=ND5) über das ganze sichtbare Spektrum inkl. Infrarot und UV beträgt.
Da die Nutzung hochwertiger Glasfilter schnell einige hundert Euro kosten kann, ist auch die preiswerte Alternative der Baader-Filterfolie ND5 durchaus überlegenswert. Aufgrund deren extrem geringen Dicke, Reissfestigkeit und beidseitigen sicheren Beschichtung, beeinträchtigt sie die Abbildungsqualität  kaum. Mit etwas bastlerischem Geschick kann sie für nahezu jede Objektivgrösse angepasst werden.
Wichtig ist, sich VOR dem Blick durchs Okular zu vergewissern, dass der Frontfilter SICHER installiert ist!
Die Sonne zeigt im Okular bei günstigen Bedingungen und ausreichender Teleskopöffnung Sonnenflecken (Umbra und Penumbra), Flares und die Granulation. Man beobachtet hierbei Phänomene der Photosphäre (=sichtbare Sonnenöberfläche).
Herschelprisma
(Weisslicht)
- es wird im Okularauszug eines Refraktors statt eines Zenitprismas/Zenitspiegels das Herschelprisma installiert, welches nur 5% des einfallendes Lichtes in Richtung Okular reflektiert, die restlichen 95% werden durch eine Gehäuseöffnung des Prismas ausgelenkt. Bei diesem Prismentyp handelt es sich im Grundprinzip um ein normales Zenitprisma, welches um 180° gedreht ist und keine verspiegelte Hypertonuse hat. Bei älteren Typen ist darauf zu achten, dass sich keine brennbaren Gegenstände in Nähe der Lichtaustrittsöffnung befinden, es kann dort sehr heiss werden!
Da bei diesem System die Filterwirkung nur 1:20 beträgt, ist ein zusätzlicher Graufilter mit ND3,6 (1:5000) direkt vor dem Okular notwendig. Es kann sich dabei auch um einen variablen Polfilter handeln, mit welchem die Filterwirkung der genutzten Vergrösserung anpassbar ist.
Dieses System bietet die beste Abbilddungsqualität aller Weisslichtfilter und die Möglichkeit, die Filterwirkung in weiten Bereichen zu variieren.
Das beobachtbare Spektrum an Sonnenphänomenen ist mit dem der vorgenannten Frontfilterbeobachtung identisch.
Protuberanzenansatz
(Schmalband)
- bei diesem System wird im Okularauszug künstlich eine Sonnenfinsternis durch eine zentrale Kegelblende erzeugt. Um nur die Sonnenscheibe sicher auszublenden ist ein niedriges Öffnungsverhältnis bei ca. f/30 (mglst paralleler Strahlengang = telezentrisch) und eine genau nachführende äquatoriale Montierung nötig. Sowie ein Kegelblendensatz mit verschiedenen abgestimmten Durchmessern, um den nicht konstanten Durchmesser (im Laufe das Jahres unterschiedlicher Abstand Sonne->Erde) der Sonne Rechnung zu tragen.
Als Streulichtfilter vor dem Okular reichte früher ein Rotfilter, heutzutage, aufgrund der Luftverschmutzung, ist ein breitbandiger (relativ preiswerter, HWB < 2nm) H
α-Filter nötig.
Wie der Name des Systemes schon aussagt, können damit ausschliesslich Protuberanzen am Sonnenrand bei relativ hohen Vergrösserungen beobachtet werden.
Hα - Filtersystem
(Schmalband)
- Moderne Fertigungstechnologien haben diesen Filtertyp heutzutage auch für Amateurbeobachter erschwinglich gemacht. Die Sonne wird bei diesem Filtersystem auschliesslich im monochromen Licht bei genau λ=656,23nm (=tiefrot) und einer Halbwertsbreite von λ=0,1nm und weniger beobachtet. Es handelt sich dabei um das emitierte Licht der Chromosphäre, in welcher besonders die spektakulären Flares und Protuberanzen kontrastreich zu sehen sind. Bei einer HWB des Filters im Bereich von λ=0,1nm sind besonders die Protuberanzen am Sonnenrand sehr gut zu erkennen, die Sonnenoberfläche selber erscheint eher kontrast- und detailarm. Im Bereich von etwa HWB λ=0,07nm zeigen sich immer noch deutlich die Protuberanzen und auf der Sonnenoberfläche sind gut alle Erscheinungen, wie Fackeln, Flares, Protuberanzen von oben und Filamente zu beobachten. Bei einer HWB von λ=0,05nm und kleiner sind kaum noch Protuberanzen auszumachen, dafür aber werden die Erscheinungen auf der Sonnenoberfläche dafür umso kontrastreicher dargestellt. 
Das Licht jener Chromosphäre ist etwa 1000000mal schwächer als das der Photosphäre. Das erklärt auch die hohen qualitativen Anforderungen an brauchbare Filtersysteme, da alles unerwünschte Licht zu 100% blockiert werden muss.
Aufgrund dieser extrem geringen Toleranzen dieser Filter, ist zu erahnen, dass jene nicht gerade zu den preiswerten Filtern gehören. Die preiswertesten Komplettsysteme PST bzw. Lunt35 mit je 40mm/35mm Öffnung kosten bereits >600Euro.
Diese Filtersysteme besteht meist aus drei einzelnen Filtern, welche körperlich teilweise kombiniert sein können:
- der Energieschutzfilter blockiert das Licht komplett ausserhalb eines breiten Bereiches um die Hα-Linie
- das eigentliche Etalon lässt die
Hα-Linie inkl. einiger ganzzahliger Nebenmaxima passieren (Interferenzsystem)
- Blockfilter lässt wiederrum nur die
Hα-Line passieren und blockt die Nebenmaxima des Etalons komplett
Kalzium - Filtersystem
(Schmalband)
Dieses Filtersystem arbeitet ähnlich dem Hα-Filtersystem, nur dass in diesem Fall nahe dem UV-Licht bei λ=393 und 397nm(dunkelviolett), im Licht des ionisierten Kalzium beobachtet wird.
Bei visuellen Beobachtern ist dieser Filter nicht weit verbreitet, da das menschliche Auge in diesem Spektralbereich sehr unempfindlich, bzw. sogar blind ist und somit die Detailwahrnehmbarkeit stark eingeschränkt ist. Fotografisch ist es sinnvoller nutzbar.
Die Sonnenoberfläche/Photosphäre zeigt bei dieser Wellenlänge besonders kontrastreich das sogenannte Netzwerk, Flares und auch hellere Protuberanzen.