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Bei diesem Thema herrscht besonders beim Einsteiger grosse Verwirrung. Erschwerend kommt meistens hinzu, dass Jener gerne alles beobachten möchte, ob Planeten, Mond, Galaxien und schwache Nebel. Und das möglichst superhoch vergrössert und ausserdem alles schön hell und farbig - wie man es ebend von Fotografien her kennt.
Das ist ein absolut nicht umzusetzender Anspruch. Der werdende beobachtende Hobbyastronom muss sich wohl oder übel damit abfinden, dass dieses Hobby sich an der Wahrnehmungsgrenze unserer Augen und gehirninternen Bildverarbeitung abspielt! Gut, es gibt Objekte, wie der Mond, welche bereits in kleinen Teleskopen einen imposanten Anblick bieten. Auch der Orionnebel, eine Menge von offenen Sternhaufen, der Saturn und auch Jupiter bieten bereits überraschend viel Seherlebnis, auch für unerfahrene Beobachter. Aber spätestens, wenn jener Neueinsteiger sein Teleskop z.B. in Richtung der legendären Andromedagalaxie, oder der Pinwheelgalaxie (M51) schwenkt, ist die Enttäuschung oft gross.
Einerseits ist bereits die Suche dieser (eigentlich einfachen und hellen) Objekte eine Tortour und andererseits ist der Anblick dann weit ab von dem, was man erwartet hat. Aber wie bereits erwähnt, die beobachtende Astronomie spielt sich im physiologisch vorgegeben Grenzbereich unserer Augen ab. Und dazu gehört, dass das menschliche Auge beim empfindlicheren "Stäbchensehen" nur noch Grautöne erfassen kann (nachts sind alle Katzen grau!) und ausserdem sich der empfindlichere Breich unserer Netzhaut nicht im bereich des direnten Sehens, sonderm im indirekten Sehen befindet (nahe am Objekt vorbeisehen).
Um nun möglichst viel Licht für seine Augen zur Verfügung zu stellen gilt: Teleskopöffnung ist nur durch grössere Öffnung zu ersetzen! Einzig der Durchmesser der Optik bestimmt die Menge des Lichtes und die maximale Detailerkennbarkeit am Objekt.
Wenn der Einsteiger diese genannten Punkte sich verinnerlicht hat, kann er sich schliesslich mit der Teleskopwahl auseinander setzen. Hierbei wird die erste Entscheidung zw. Linsen- und Spiegeloptik fallen müssen. Da bezahlbare Linsenteleskope naturgemäss recht klein ausfallen (müssen) , so wird die Entscheidung wohl meist eher Richtung Spiegelteleskop tendieren.
Noch ein Wort zur Montierung: fast alle Teleskoptypen benötigen eine seperate Montierung mit Stativ, ob nun parallaktisch oder azimutal. Ausnahme bildet der Newton-Reflektor nach Dobson-Bauweise.




Grossfernglas Dabei handelt es sich um Ferngläser ab der Grösse ca. 15x60 und grösser. Wobei der erste Wert die Vergrösserung angibt und der zweite den Durchmesser der Objektive. Wenn man die Öffnung durch die Vergrösserung dividiert erhält man die Grösser der Austrittspupille. Jene sollte einerseits die 6mm nicht überschreiten und die 2mm nicht unterschreiten. Wobei die grössere Austrittspupille erst an dunklen Standorten gewinnbringend nutzbar ist.
Wichtig ist, dass jene Ferngläser möglichst nur mit Stativ genutzt werden, erst mit einer schwingungsfreien Montage kann man das Potential (gerade die sommerliche Milchstrasse) sinnvoll ausnutzen! Für einen weiteren deutlichen Gewinn an Beobachtungskomfort gibt es Grossferngläser mit 45° oder 90° Einblick - das verhindert einen schmerzenden Nacken und verkrampfte Haltung bei Zenitbeobachtungen. Alternativ bei geradsichtigen Ferngläsern hilft ein Liegestuhl und als Stativmontierung eine sogenannte Trapezmontierung.
Zu warnen sei vor den allzu preiswerten - besser billigen - Ferngläsern aus dem "Chinamarkt" oder vom Flohmarkt. Gut erkennbar an der "sagenumwobenen" Rotvergütung der Objektive.

klassischer Refraktor Der klassische Refraktor bedeutet im Astrojargon zu meist ein Linsenteleskop mit einem Objektiv nach Frauenhofer. Das sind 2-linser mit einem konvexem Element aus Kronglas und einem weiterem konkavem Element aus Flintglas. Um die noch bestehenden restlichen Abbildungsfehler, besonders den Farbfehler, in Grenzen zu halten beträgt das Öffnungsverhältnis bei kleineren Objektiven (bis d=100mm) in etwa f/15, bei grösseren Durchmessern f/20 und mehr. Um diese dann recht langen Teleskope (Brennweite entspricht in etwa der Teleskoplänge) noch handlich zu gestalten gibt es Varianten, welche mit planen Spiegeln den Strahlengang falten. Das wäre der Fagott- und der Schaer-Refraktor.
Aufgrund der genannten Nachteile ist dieser Teleskoptyp heutzutage noch als kleines Einsteigerteleskop (D=60mm...100mm) zu finden, oder bei Liebhabern historischer Optiken.
Nichtsdestotrotz bietet ein sorgfältig gebauter Frauenhofer eine sehr gute Abbildungsqualität bis in den Bereich hoher Vergrösserungen (etwa 1.5x Objektivdurchmesser).
Richfield-Refraktor ist im Grunde genommen nicht anderes als der klassische, vor genannte, Refraktortyp. Unterschied ist, dass bei diesem bewusst ein hohes Öffnungsverhältnis angewandt wird. Diese liegt im Bereich von f/5 bis f/8. Die damit einhergehenden Abbildungsfehler (besonders der dominierende Farbfehler) werden bewusst in Kauf genommen. Das Einsatzgebiet jener Optiken liegt verallendingen (wie der Name schon aussagt) im beobachten grosser Himmelsareale und grossflächiger Objekte, wie grosse Galaxien, Gasnebel und offene Sternhaufen, mit niedriger Vergrösserung (max. ca. 0.5 x Objektivdurchmesser).
Besonders beim Einsatz von Nebelfiltern wird das surfen durch die Milchstrasse zum reinen Vergnügen.
Apo-Refraktor Entspricht vom Äusserem dem Richfielder, ausser das hier das Objektiv entweder hochbrechende Sondergläser und/oder 3- und mehrlinsig aufgebaut ist. Der entscheidende Unterschied zum Richfielder ist, dass der Farbfehler hierbei, je nach konstruktivem Aufwand, unter die Wahrnehmungsgrenze  des menschlichen Auges gedrückt wird. So sind jene Refraktoren trotz ihres hohen Öffnungsverhältnisses (im Bereich f/6 bis f/8) selbst bei hohen Vergrösserungen nahezu bis ganz frei von Farbfehlern. Und das Ganze bei relativ guter Handlichkeit. Dass Das natürlich nicht preiswert zu realisieren ist, ist der grösste Nachteil diesen Teleskoptypes...
Newtonreflektor
(klasssisch montiert)
Wurde von Sir I.Newton entwickelt. Dieser Teleskoptyp stellt den simpelsten Spiegelteleskoptyp dar. Ein parabolischer Hauptspiegel, dessen reeles Projektionsbild über einen kleinen 45° geneigten Planspiegel in der Eintrittsöffnung in das Okular abgelenkt wird.
Dieser Teleskoptyp ist in nahezu beliebigen Öffnungsverhältnissen herstellbar, wodurch relativ kompakte Tuben das Ergebnis sind. Die Tubuslänge entspricht in etwa der Brennweite. Man sollte aber für visuelle Zwecke das Öffnungsverhältnis nicht zu kurz wählen - also in etwa f/5 bis f/6 und grösser.
Der optische Tubus selber muss aber, wie die vorgenannten Teleskoptypen, noch auf einer, meist equatorialen (=parrallaktischen), Montierung montiert werden, um einerseits den Tubus stabil zu halten und andererseits dem scheinbaren Lauf der Gestirne am Himmel folgen zu können.
Newtonreflektor
(nach Dobson montiert)
Das optische Prinzip ist identisch dem vorgenannten Newtonreflektor. Die Besonderheit dieses Types ist - nach dem Erfinder benannt, die simple Montage des Tubus auf der sogenannten Dobsonmontierung. Diese Montierung ist im Grunde eine normale azimutale Montierung, nur dass das Stativ fehlt! Aber aufgrund des Einblicks am oberen Tubusende bei einem Newtonteleskop, ist das kein nachteil, sondern ein entscheidender Vorteil: abhängig von der mechanischen Qualität der Montierung, ist selbst ein Teleskop mit >14" Durchmesser extrem stabil montierbar, extrem schnell aufgebaut und auch noch im PKW problemlos transportierbar!
Nachteil ist, das bei diesem Typ von Hand das Teleskop dem Sternenlauf nachgeführt werden muss - und das ungleichmäßig in 2 Achsen (Azimut und Höhe)
Cassegrain und Derivate